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Hier könnt Ihr
eine spannende und fast unglaubliche Geschichte lesen:.
Åse
Skarpengland aus Kristiansand ist die stolze Besitzerin der
Cocker Spaniel Hündin Pluto. Im September 2000 unternimmt die junge
Dame mit ihrem Freund Menno, vier Bekannten und der Welpin eine
Gebirgswanderung zum Kjerag, einem hohen Berg unweit des
bekannten Prekestolen
in der Nähe von Stavanger.
Diesen Ausflug und seine
Folgen werden sie niemals vergessen!
Foto: Erling
Hægeland, Dagbladet
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Besondere
Berühmtheit hat der Kjerag durch Fallschirmspringen
gewonnen, er
ist aber auch ein beliebtes Ziel für Wanderer.
Foto: Vibeke Stoltenberg |
Samstag 9. September: Das Unglück
Nach
etwa 2 1/2 Stunden Aufstieg mit Pluto an der Leine erreicht die
Gruppe eine urwüchsige Hochebene. Dort lassen sie die Welpin frei,
und sie geniesst das.
Das
Ziel dieser Wanderung ist der sogenannte "Kjeragbolten",
ein zwischen Felsen eingeklemmter Stein (siehe Archivfoto).
Während die Gruppe
einen etwa 30 cm breiten Felsspalt überschreitet, schaut Åse sich
nach ihrem Hund um und sieht zu ihrem Entsetzen, dass Pluto
am Spalt abrutscht und in der Tiefe verschwindet. Sie
hört, dass die Welpin beim Hinunterfallen abwechselnd die beiden
Felsenwände trifft, und das Echo dieses Geräusches lässt keinen
Zweifel daran, dass Pluto tief fällt. Später erfährt sie,
dass dieser Spalt 200-300 m tief ist. Zum
Schluss hören die Wanderer kräftiges Knurren und Bellen, dann wird
es totenstill... Åse
und ihre Freunde bleiben an diesem Tag viele Stunden am Felsspalt.
Mit dem Handy eines Vorbeipassierenden nehmen sie Kontakt mit allen Instanzen auf, die
eventuell helfen könnten: Polizei, Feuerwehr, Alpiner Rettungsdienst,
Tierschutz usw.
Aus
dem Spalt kommen keinerlei Lebenszeichen mehr von Pluto. Es
erscheint ausgeschlossen, zur Welpin zu gelangen, und niemand glaubt,
dass sie den Sturz überlebt haben könnte. Gegen Abend verlassen die
Freunde die Hochebene, und Åse fährt traurig zurück nach
Kristiansand. Sie hat ihren Hund verloren...
Mittwoch 13. September: Bellen
Die
Erdölgesellschaft "Phillips Petroleum Company" in Stavanger hat an diesem Tag Gäste aus den USA
und begibt sich mit ihnen auf einen Ausflug zum Kjerag. Auf der
Hochebene treffen sie keine anderen Wanderer, hören jedoch mehrmals
das Bellen eines Hundes. Schliesslich entdecken sie, dass die
Geräusche aus dem Felsspalt kommen.
Der
Führer der Gruppe hatte von dem Unglück gelesen und
ruft mit seinem Handy die Zeitung "Stavanger Aftenblad" an. Er
bittet darum, dass etwas unternommen wird. Dabei denkt er an die
Möglichkeit einer schnellen und erlösenden Tötung des Tieres, das dort unten verletzt und
ohne Wasser und Nahrung liegt.
Donnerstag
14. September: Keine Chance
Auf
Grund dieser Meldung begibt sich der Polizeichef der
zuständigen Kommune mit einer kräftigen Lampe und einem Gewehr auf
die Hochebene. Zwei erfahrene Bergsteiger begleiten ihn. Am
Felsspalt rufen und locken sie über eine Stunde (Bild), ohne ein
Lebenszeichen aus der Tiefe zu entdecken. "Ich
war nun überzeugt davon, dass trotz des Bellens am Vortag keinerlei
Hoffnung mehr für die Hündin bestand. Ich war mir auch 100% sicher,
dass es unmöglich sein würde, irgendwie in die Nähe von Pluto zu
kommen." erzählt der Beamte später.
Foto: Jan Soppeland, Stavanger Aftenblad
Niemand
am Ort kennt den Namen oder die Adresse von Åse. Alle Instanzen
hatten lediglich die Handynummer notiert, als das Unglück gemeldet
wurde. Da Åse nicht in der Region wohnt, kann sie das Geschehen
nicht in den örtlichen Zeitungen oder dem lokalen Radio
mitverfolgen.
Samstag 16. September: Pluto ist
noch am Leben
An diesem Tag besucht eine Gruppe von Jugendlichen den Kjerag.
Beim Überqueren des Felsspaltes hören sie schwaches Bellen. Sie
sind durch die Presse informiert und bleiben am Ort, um ganz sicher
zu sein. Und in der Tat kann kein Zweifel daran bestehen:
Gelegentliches Bellen beweist, dass Pluto noch lebt. Die
Jugendlichen informieren Polizei und Zeitungen. Aber niemand weiss
eine Lösung, wie man die Hündin retten oder von ihren Leiden
erlösen könnte.
Sonntag 15. bis Mittwoch 20.
September: Planung und Scheitern einer Rettungsaktion
Einige Privatpersonen machen den Versuch, eine grosse
Rettungsaktion einzuleiten. Örtliche Firmen stellen Ausrüstung wie
Hubschrauber, Stromagregate und eine spezielle Videokamera zur
Verfügung. Am 20. September ist alles für den Einsatz bereit,
jedoch kommt ein Unwetter auf, das es dem Hubschrauber unmöglich
macht, zur Hochebene zu fliegen. Tierärzte versichern, dass kein
Hund so lange ohne Wasser überleben kann.
Inzwischen hat man Pluto's
Besitzerin ausfindig gemacht. Niemand möchte ihr jedoch die
Nachricht überbringen, dass es keinerlei Hoffnung mehr gibt.
Donnerstag 21. September:
Bergsteiger in Oslo greifen ein (Link
zum kompletten Originalbericht (norweg.)
Am Donnerstag wird über das Geschehen im Radio und in den Zeitungen
in ganz Norwegen berichtet.
Die
Hobby-Bergsteiger Marek Vokác und Lars Tore Ludvigsen (Foto) aus
Ost-Norwegen sind
bei der Arbeit und hören im Radio von Pluto's Unglück und der am
Vortage gescheiterten Rettungsaktion.
Marek und Lars Tore haben sich auf
das Klettern i Felsspalten spezialisiert und zünden sofort für den
Gedanken, Hilfe zu leisten.
Marek nimmt sogleich telefonisch
Kontakt auf mit der zuständigen Polizei, dem Alpinen Rettungsdienst
in Stavanger und anderen Personen am Ort, die Informationen zur
Sache hatten. Eine Reise in den Westen Norwegens wird mit ihren
Familien und Arbeitgebern abgesprochen, und die erforderliche
Ausrüstung wird beschafft, darunter ein motorgetriebener Bohrhammer.
Freitag 22. September: Auf nach
Westnorwegen
Marek erzählt: "Wir standen um 0530 Uhr auf, nahmen
mehrere Stullenpakete mit je 10 Scheiben mit, die Lars Tore's Frau
geschmiert hatte und setzten uns in das mit Ausrüstung
vollgestopfte Auto."
Um 1230 Uhr kommen die beiden am
Parkplatz unter dem Kjerag an. Den Aufstieg zur Hochebene
bewältigen sie trotz der schweren Ausrüstung und starkem
Wind rekordschnell. Ca 1400 Uhr sind die beiden mit einigen
örtlichen Helfern am Felsspalt.
Klettertechnik
Marek
berichtet weiter: "Bei unserer gut eingeübten senkrechten
Klettertechnik in Grotten benutzen wir oft Bohrbolzen."
"Unterirdische
Felswände erodieren nicht in gleicher Weise wie freiliegende.
Deshalb gibt es dort nur wenige natürliche
Verankerungsmöglichkeiten."
"Wir benutzen einen
benzingetriebenen Ryobi
Bohrhammer und 10 mm säurebeständige Kletterbolzen von Petzl.
"Mit dem Bohrhammer benötigen wir etwa 30 sec pro
Loch. Guter Fels
vorausgesetzt, gibt das eine dauerhafte und 100% sichere Verankerung."
Foto: Marek Vokác
Der erste Abstieg
"Weil wir kein Lebenzeichen von Pluto wahrnehmen
konnten, begannen wir den Abstieg ungefähr an der Stelle, an der
der Hund gestürzt war. Dort ist der Spalt oben etwa 80 cm breit und
verengt sich schnell zu einer Breite von einem halben Meter. Die
Felsenflächen sind ziemlich glatt mit einer groben Kristallstruktur.
Sie schlängeln sich nach unten, so dass immer abwechselnd eine
Seite überhängt."
"Der Spalt ist sauber, meist
trocken, und enthält in unterschiedlichen Abständen einige
festgekeilte Steine. Ab und zu stiessen wir auf ein Gesims oder
senkrechte Schollen an den Wänden."
Foto: Marek Vokác
"In einer Tiefe von etwa 20 m
erstellten wir eine Zwischenverankerung und leuchteten die
verschiedenen Absätze und festgeklemmten Steine ab. Dann hörten
wir plötzlich ein schwaches Winseln, und danach lautes Bellen. Das
bewies, dass Pluto noch lebte und wahrscheinlich in
verhältnismässig guter Verfassung war."
"Die Laute kamen aus der Tiefe
von einer mehr westlich gelegenen Stelle. Deshalb kletterten wir
wieder nach oben und bestimmten einen neuen Abstiegsort, der unserer
Meinung nach direkt über dem Hund lag."
Schwierigkeiten
"Dort brachten wir eine neue
Hauptverankerung an und begannen mit dem Abstieg. Die erste
Zwischenverankerung setzten wir bei 23 m. Ein längerer Abstand kann
zu Schwierigkeiten führen, wenn man das Seil auf dem Weg nach oben
wechseln muss und der Spalt eng ist. Der Spalt war an dieser Stelle
enger, aber immer noch einigermassen passierbar."
Abstieg. Der enge
Spalt bereitet den Kletterern Schwierigkeiten. (Fotos: Marek Vokác)
"Die nächste
Zwischenverankerung setzten wir bei einer Tiefe von 32 m. Hier war
es so eng, dass wir den weiteren Abstieg miteinander diskutieren
mussten. Wir schätzen, dass die Breite an dieser Stelle 27-28 cm
betrug (gemessen mit dem Unterarm, der nicht mehr Platz fand). Auch
für den Einsatz des Bohrhammers war es zu eng. Deshalb war ein
kleiner Absatz die eizige Möglichkeit für das Anbringen einer
Verankerung."
"Der Beutel mit dem Seil
klemmte sich fest. Deshalb mussten wir das Seil in einer Schleifel nach
unten ausfieren. Nun machte es sich bezahlt, dass wir das Seil
sorgfältig gepackt hatten. Wir studierten die Umgebung gründlich,
bevor wir uns weiter nach unten wagten."
"Bei 46 m wurde der Spalt
wieder breiter. Dort war auch ein kleiner Sims. Ich setzte einen
neuen Bolzen, und weil dort Platz genug war, um sich drehen zu
können, kam auch Lars Tore zum Sims hinunter."
Pluto wird gefunden
"Pluto hatte sich in letzter
Zeit völlig ruhig verhalten, und es gelang uns nicht, sie dazu zu veranlassen, einen Laut von sich zu geben. Lars
Tore befreite sich von allen Ausrüstungsgegenständen, die nicht
unbedingt erforderlich waren, und presste sich weiter in die
Richtung, aus der wir zuletzt etwas gehört hatten."
"Nach einigen Minuten
entdeckte er Pluto an einer etwas breiteren Stelle etwa vier Meter
weiter unten. Jetzt kam der wohl beste Spruch während des Einsatzes
von Lars Tore: 'Hier musst du einen Bolzen setzen, damit ich wieder
hoch komme!' Dann kletterte er frei zum Hund hinunter. Danke für
sein Zutrauen!!"
"Unter sehr beengten
Verhältnissen brachte ich eine sichere Zwischenverankerung an. Die
Breite war hier ebenfalls weniger als 30 cm, und es ist recht
schwierig, die schwere Bohrmaschine mit nur einer Hand zu bedienen."
Begegnung mit dem Hund
Inzwischen ist Lars Tore fast bei der
Welpin angekommen. Hier ist sein Bericht darüber: "Es war sehr
dunkel, und Pluto ist schwarz. Ich entdeckte sie, weil sie sich
etwas bewegte."
"Ich stand mit meinen Fersen
auf einem schmalen Absatz und sah die Bewegung einer kleinen
Schnauze und ein Ohr. Pluto machte es so, wie es wohl die meisten Tiere
gemacht hätten: Sie versuchte, sich unter einem Absatz zu
verstecken und dabei vorsichtig herauszugucken."
"Plötzlich war ich mir völlig
sicher, dass wir es schaffen würden. Meine Stimmung stieg gewaltig,
aber in einer solchen Lage muss man ruhig und bestimmt handeln. Ich
beschrieb Marek die Situation und sagte, dass ich bereit war, zum Hund
hinunterzugehen."
"Ich hatte das Gefühl, mich
beeilen zu müssen, damit der Hund keinen Fluchtversuch machte. Nun
war ich nur einen Meter von ihr entfernt."
"In dieser Lage war Pluto wohl
nicht ganz sicher, wer hier wen fressen würde. Sie drehte mir ihren
Rücken zu, warf den Kopf herum und versuchte zu Knurren und die
Zähne zu fletschen. Aber ich nahm an, dass Pluto in ihrem Inneren
wohl auf einen guten Ausgang hoffte. Meine Kopflampe irritierte sie
vielleicht, deshalb war ich darauf bedacht, sie nicht direkt
anzuleuchten."
"Dann hielt ich sie schnell am
Nackenfell fest, damit sie nicht flüchten konnte. Ich redete
freundlich auf sie ein, und sie antwortete damit, mich zu lecken.
Nun waren wir dort unten zwei glückliche Männer und eine Hündin, die
wussten, dass die Rettung gelungen war."
"Danach liess Pluto sich, wenn auch unwillig, in einen leeren
Grottensack stecken, den ich schnell gründlich zuschnürte, um
die Möglichkeit eines neuen Absturzes auszuschliessen."
Der Aufstieg
Marek erzählt weiter: "Der Aufstieg mit dem Hund
dauerte 1 Stunde und 20 Minuten, und erforderte einen der
schwierigsten Verankerungspunkte, die wir je gesetzt haben. Die
blauen Flecken an unsereren Körpern am nächsten Tag zeugen dafür."

Aufstieg. Der rote
Sack mit Pluto ist deutlich zu erkennen. (Fotos: Marek Vokác)
"Lars Tore trug
den Sack mit Pluto und ein bischen Ausrüstung, während ich den
Rest (Bohrhammer, Karabiner, Schleifen usw.) nach oben beförderte."
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Foto:
Marek Vokác
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Foto:
Erling Hægeland, Dagbladet
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"Oben am Spalt
wartete ein grosses Aufgebot von der Presse. Wir kümmerten uns
darum, die Ausrüstung zu verpacken. Es wurde Zeit, den Berg zu
verlassen. Es war 19 Uhr und die Dämmerung brach herein. Es fing
auch an zu regnen und der Wind war kräftig."

Beim Rückmarsch
bricht die Dämmerung herein (Foto: Marek Vokác)
"Der Rückmarsch
aus der Hochebene verlief problemlos, obwohl das Wetter recht
ungemütlich war. Wir verbrachten die Nacht im Fidjestøl
Hochgebirgshotel und genossen ein gutes Essen. Wir danken dem
Tierschutzverein in Rogaland herzlich für die grosszügige
Übernahme der Kosten dafür."
Freude und
Dankbarkeit
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Zusammen mit ihrer
Mutter, ihrem Freund Menno und anderen Interessierten wartete
Åse in einer Tierarztpraxis gespannt auf die Ankunft von
Pluto.
Kari Mills, Leiterin des
Tierschutzvereines in Stavanger, erzäht:
"Dies war ein Erlebnis mit unheimlich starken Gefühlen."
Åse berichtet, dass sie die
Hoffnung aufgegeben hatte, Pluto jemals wiederzusehen. Nach
zwei langen Wochen voller Trauer hatte sie bereits beschlossen,
einen neuen Hund zu kaufen, um die Lücke nach dem Verlust von
Pluto zu füllen. "Die Zeit während der Rettungsaktion
war fast genauso schwer wie nach dem Verlust meines Hundes.
Ich durchlebte alle noch einmal und wagte es nicht, an ein
Gelingen zu glauben."
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Foto: Jan Soppeland, Stavanger Aftenblad
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"Als ich in
der Praxis stand und Pluto in die Arme nehmen konnte, erfüllte mich
eine unbeschreiblich grosse Freude und Dankbarkeit!"
Wichtiger Hinweis: Die
Bilder zu diesem Artikel wurden mit freundlicher Genehmigung von Marek Vokác,
Vibeke Stoltenberg, Jan Soppeland und Erling Hægeland ausgelegt.
Diese besitzen das copyright für die Fotos. Aus diesem Grunde ist
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