** DIRIGIEREN **

 

Auf dieser Seite beschreiben wir das Dirigieren von Hunden, so wie es in etwa von
Herby Jantschgi und A.C. Pöttler bei der "Hundesportschule Purkersdorf" in Österreich während eines Seminares für Agility_Trainer vorgestellt wurde. H. Jantschgi hat uns die Erlaubnis gegeben, seine Bilder auf dieser Seite zu verwenden. Der Text entspricht allerding unserem eigenen Verständnis. Möglicherweise wird Herby einiges korrigieren, wenn er diese Seite liest. Falls Du mit Herby diese Sache diskutieren möchtest, kannst Du ihm gern eine e-mail schicken.

Die beiden Österreicher nehmen den Hund zum Ausgangspunkt - wie er eine Situation und seine eigene Position auffasst. 

Wir benutzen in diesem Artikel die Ausdrücke "Leiten" und "Umleiten", weil uns auf Deutsch keine besseren dafür einfallen. "Leiten" nimmt man mit dem Arm vor, der auf der gleichen Seite wie das "Ziel" ist, zum Beispiel der Aufstieg zum Laufsteg. Fast immer ist das auch die Seite unserer "Führhand", über die wir viel geschrieben haben. "Umleiten" nimmt man mit dem Arm vor, der auf der entgegengesetzten Seite des "Ziels" ist. Wenn wir mit diesem Arm auf das Ziel zeigen, dreht sich unser Oberkörper automatisch in die gleiche Richtung. Das hat eine starke Wirkung auf unseren Hund.

 

Der Kopf des Hundes zeigt nach vorn:

Das hört sich logisch an. Jantschgi/Pöttler meinen damit jedoch, dass der Hund glaubt "gerade nach vorn" sei dort, wo seine eigene Schnauze hin zeigt. Das ist wichtig,  um den Gedankengang der beiden Österreicher verstehen zu können. Der Hund hält, wie schon früher gesagt, fast immer ein Auge mit seinem Führer. Das führt dazu, dass er seinen Kopf mehr oder weniger zu dem Führer dreht. Seine Schnauze wird also oft in eine andere als die gewünschte Laufrichtung zeigen. 

Auf dem unteren Bild ist das Team z.B. auf dem Weg zum Laufsteg: 

             
     

fig. 1a

   

fig. 1b

   

fig. 1c

Wenn der Hundeführer (HF) vor dem Hund ist (fig. 1a), dreht dieser seinen Kopf nicht  

Deshalb benutzt der HF weder Zeichen noch Körpersprache in dieser Situation. "Die Sache läuft..."

Bei fig. 1b dagegen ist der HF etwas hinter dem Hund, so dass der Hund seinen Kopf ein bischen dreht, um Kontakt zu behalten. Hier ist es angebracht, den Hund mit der Führhand nach links zu "Leiten". Dies ist nicht mehr als höchstens eine kleine Korrektur, vielleicht auch nur eine Bestätigung für den Hund, der mit seinem Kopfdrehen eine Frage stellt.

Bei  fig. 1c ist der HF weit hinter dem Hund. Deshalb dreht dieser seinen Kopf weiter nach rechts, um den HF gut sehen zu können. Das bedeutet, dass der Hund nun die Situation so auffasst, als ob der Laufstieg sehr weit links von ihm läge. Aus diesem Grunde nimmt der HF eine deutliche Umleitung des Hundes vor. Dadurch steuert der Hund sicher den Laufsteg an. Beachte auch besonders die Stellung des Oberkörpers des HF in dieser Situation.l

 

Was bedeutet das alles?

Für einen Agility-Einsteiger kann sich all dies recht kompliziert anhören. Auch in Norwegen haben viele Agility-Sportler etwas ungläubig den Kopf über Jantschgi/Pöttler's "Lehre" geschüttelt. Aber wir haben bei Turnieren viele Fehler mit "guten" Hunden gesehen, die man nur mit dieser Lehre erklären kann. Wir glauben deshalb, dass die beiden Österreicher durchaus den Nagel auf den Kopf getroffen haben können.

 

fig. 2a

 

fig. 2b

Bei  fig. 2a, wo der Hund nach rechts über die Hürde soll, führen wir uns so auf, dass der Hund versteht, er soll vorwärts. Denn seine Schnauze zeigt ja in die richtige Richtung. In fig. 2b, wo der Hund durch den Reifen soll, müssen wir dagegen eine "Umleitung" vornehmen, eben weil der Hund mit der Schnauze auf die Hürde zielt. In Norwegen würden wir zusätzlich das Kommando "links!" geben. 

 

Richtige Signale:

Beim Dirigieren spielt unser Oberkörper eine wichtige Rolle. Die Richtung unseres Oberkörpers sagt mehr als Kommandos oder Zeigen. Das liegt in der Natur der Hunde, weil bei der Jagd die Richtung der Brust des Leitwolfes wesentlich war.

Jantschgi/Pöttler sagen, dass wir unserem Hund zwar die Bedeutung unserer Kommandos beibringen können, aber seine angeborene Deutung unserer Körpersprache nicht ändern können. Ist unser Kommando anders als unsere Körpersprache, wird der Hund unsicher, weil wir "zweideutige" Signale geben. 

 

Korrigieren von unerwünschten Richtungsänderungen:

Jantschgi/Pöttler sind darauf aus, dass der HF unmittelbar erkennen muss, wenn der Hund seine Richtung ändern will, und dass er nur dann eingreift, anstatt ständig Kommandos und Zeichen zu geben, obwohl der Hund auf dem richtigen Weg ist. Auf ihrer Hundeschule meint man, dass auf den Parcouren viel zu viel kommandiert und gefuchtelt wird. Das kann für uns Norweger ein wichtiger Hinweis sein...

Bei figur 3a ist der Hund auf dem richtigen Weg. Der HF "leitet" den Hund ohne grosses Getue mit der Hand, die wir "Führhand" nennen. 

fig. 3a

 

 

Bei fig 3b fängt der Hund an, nach links aus der gewünschten Richtung auszubrechen. Es besteht die Gefahr, dass er über die obere Hürde gehen will. Hier signalisiert der HF deshalb eine Richtungsänderung mit seinem linken Arm. Dies ist eine ähnliche Situation wie bei fig 2b.

fig. 3b

 

 

Fig 3c: Falls der Hund in die entgegengesetzte Richtung ausbrechen will (was selten der Fall sein dürfte), muss der HF eine Richtungsänderung nach links signalisieren. 

fig. 3c

 

 

Geht auf die Absichten Eures Hundes ein:

Bei allen Situationen, die fig. 3 beschreiben, sehen wir, dass unser Dirigieren von der Absicht des Hundes abhängt. Deshalb ist es wichtig, dass wir unseren Hund "lesen". Dann können wir ihn schon korrigieren, bevor er die falsche Richtung eingeschlagen hat. Auf der "Hundesportschule Purkersdorf" lernt man, dass man sich immer in die Lage des Hundes versetzen muss, und sein Verständnis von der jeweiligen Lage erkennen sollte( fig 4a og 4b).

fig. 4a

 

fig. 4b

 

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